Evangelische Gottesdienste starten wieder

Ein ungewohntes Bild: In den evangelischen Kirchen der Gemeinde Ratingen werden im Moment Desinfektionsspender aufgestellt, Raumpläne studiert, Stühle gerückt und Abstände vermessen. Die Gesundheit der Besucherinnen und Besucher hat höchste Priorität. Denn ab Sonntag finden hier wieder Gottesdienste statt, wenn es kurzfristig keine anderen politischen Entscheidungen gibt. Darüber, wie das in Zeiten von Corona geschehen kann, haben Kirchenvertreter und das Land NRW intensiv beraten. Der Maßnahmenkatalog der evangelischen Kirche in Deutschland wurde am Ende von allen Beteiligten als guter Leitfaden bestätigt.

Pfarrer Frank Schulte, der am Sonntag um 10:00 Uhr in der Stadtkirche ist, sagt: „Natürlich gibt es Einschränkungen. Wir halten auch in der Kirche den überall üblichen Abstand. Wir feiern erstmal nicht das Abendmahl. Und jeder Gottesdienstbesucher soll bitte seine Behelfsmaske mitbringen. Wenn jemand sie vergisst, können wir helfen.“ So wird es in allem evangelischen Kirchen gehandhabt. Küster Dirk Oberbanscheidt ergänzt: „Um die die ganzen Vorschriften einzuhalten, brauchen wir am Kircheneingang etwas Zeit. Darum wäre es gut, wenn die Besucher zeitig kämen.

"Gesangbücher werden nicht verteilt, „ich freue mich aber, dass es wieder losgeht, und ich Musik für die Gemeinde machen kann“, sagt Dietmar Sendt. Er spielt am Sonntag schon eine Viertelstunde vorher Orgel, um die Besucherinnen und Besucher einzustimmen. Der Stadtkirchengottesdienst wird einem besonderen Ablauf mit Musikstücken, Kerzenlicht, Wortbeiträgen sowie Momenten der Stille folgen und eine halbe Stunde dauern.

Die Friedenskirche in Ost startet mit einem Gottesdienst auf dem Kirchplatz unter dem Thema „Sieben Farben hat das Licht“ am Sonntag wie immer um 11 Uhr. Pastor Thomas Gerhold schiebt Klavier und Altar auf das kleine Podest vor die Kirchentüre und sagt „Endlich wieder Gottesdienste mit Menschen!“ Für gute Musik sorgt Organist Clemens Orth, der zaubern kann auf den Tasten. Ihn begleiten junge Leute, Emma Schuster mit Gesang und Florian Hanke am Saxophon. Bei Regen geht es in die Kirche.

In der Versöhnungskirche am Maximilian-Kolbe-Platz finden nun wegen der Sanierungsarbeiten in der Heilig-Geist-Kirche nacheinander evangelische und katholische Gottesdienste statt. Darum muss die Wiederaufnahme der Gottesdienste hier doppelt gut bedacht werden. Die Pfarrer Kern und Leithe sagen einstimmig: „Es ist gut, dass wir diese für uns alle schwierige Zeit ökumenisch gemeinsam meistern.“ Die evangelischen Gottesdienste beginnen am Sonntag zur gewohnten Zeit um 9:30 Uhr mit Masken und Abstand im Kirchraum und davor, die katholischen eine Woche später.

Pfarrer Weimann aus Tiefenbroich weist darauf hin, dass auch in den letzten Wochen Gottesdienste ohne Besucher in der Kapelle im St.-Marien-Krankenhaus stattgefunden haben. Jeden Samstag wird weiterhin um 16 Uhr ein Wortgottesdienst ohne Gemeinde als Fernsehgottesdienst ins Krankenhaus und in die Seniorenheime übertragen. „So können wir seelsorglich weiterwirken“, sagt er. In seiner Paul-Gerhardt-Kirche in Tiefenbroich feiert Pfr. Weimann dann am Sonntag um 11:00 Uhr mit Organist Oliver Kissing Gottesdienst.

„Wir als evangelische Kirche sehen diese Gottesdienste nicht als ein Zeichen von Normalität“, sagt Pfarrer Gert Ulrich Brinkmann von der Stadtkirche. „Vieles wird anders sein als sonst. Wir können jetzt aber in der Gemeinde und in der Stadt Zeichen der Hoffnung setzen. Darum geht es in jedem Gottesdienst.“ Aus diesem Grund werden auch die Livestream-Gottesdienste aus der Friedenskirche an jeden Sonntagabend um 18:00 Uhr erstmal fortgesetzt. Die evangelische Gemeinde ist so auch für diejenigen, die lieber zu Hause bleiben, mit einem guten Gottesdienstangebot da. Man findet diese Gottesdienste unter YouTube nach „Friedenskirche Ratingen“ sucht.