„Garten der Erinnerung“ – Kunst und Kirche am Ewigkeitssonntag

Künstlerin Edith Voßen und Pfarrer Matthias Leithe

Am Ewigkeitssonntag, dem 24.11.2019 um 9.30 Uhr wird in einem besonderen Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche am Maximilian-Kolbe-Platz in Ratingen an die Toten erinnert.

Allgemeines zum Feiertag

Ein Tag zwischen Erinnerungen und Neuanfängen.Geprägt von Trauer um geliebte Menschen, die uns verlassen haben und einem würdevollen Totengedenken. Und zugleich ist der Ewigkeitssonntag ein zweites kleines Osterfest am Ende des Kirchenjahres, an dem wir uns zusprechen lassen, dass kein Mensch, der vor uns stirbt, verloren gehen kann.

[...] Der Ewigkeitssonntag in der evangelischen Versöhnungskirche am Maximilian-Kolbe-Platz wird in besonderer Form gefeiert. Zunächst wird für jeden Verstorbenen aus unserem Pfarrbezirk eine Kerze entzündet und der Namen verlesen. Die Kerzen sind „Schwimmkerzen“. Wir legen sie in die mit Wasser gefüllte Taufschale und erinnern damit an die Verkündigung des Apostel Paulus: „Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. (Röm. 6,4.5)

Durch diese Symbolik machen wir deutlich, dass die Auferstehungshoffnung unser Trost ist beim Totengedenken. Verbunden über den Tod hinaus Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag wird immer Abendmahl gefeiert. In Ratingen-West versammelt sich die Gemeinde um den gedeckten Gabentisch und die mit Wasser gefüllte Taufschale mit den brennenden Kerzen, die an die Verstorbenen des letzten Kirchenjahres erinnern.

Historisches

In vergangenen Zeiten wurde die Gemeinschaft der Lebenden mit den Toten dadurch deutlich gemacht, dass man die Kirche mit dem zentralen Abendmahlstisch über einen die Kirche umfriedeten Hof betrat, den Friedhof. Auf diese Art und Wiese versammelte sich die Gemeinde aus Lebenden und Toten jeden Sonntag symbolisch um den Tisch des Herrn.

Als die Franzosen das Rheinland besetzten, wurden diese Friedhöfe geschlossen und neue Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern eröffnet. In Ratingen West versuchen wir die alten christlichen Hoffnungen durch eine neue Symbolik zu verdeutlichen. Deshalb versammelt sich die Kirchengemeinde beim Abendmahl an der Taufschale mit den brennenden Schwimmkerzen. Das Licht der Kerzen erinnert uns dabei an eine der zentralen Aussagen des Auferstandenen: Joh, 12,46 „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.

Kunst und Kirche

Hinterbliebene erleben es oft als besondere Last, dass viele Erinnerungen an ihre lieben Verstorbenen mit der Zeit verblassen. Ein Kunstobjekt der Ratinger Künstlerin Edith Voßen, das aus diesem Anlass über dem Altar in der Versöhnungskirche hängt, greift dieses Thema auf. In einem Gespinst aus Draht und Fäden sind Fotos und Filmschnipsel, leere Diarahmen, vielfarbige Knöpfe und Perlen, die an Tränen erinnern, zu entdecken.

Die Künstlerin hat dieses Kunstobjekt „Garten der Erinnerung“ genannt. "Erinnerungen sind wie ein Garten. Wir wissen er existiert, aber wir haben keinen unmittelbaren Zugang mehr. Wer nur in Erinnerungen lebt und schwelgt, ist nicht mehr bereit für die Gegenwart“, erläutert Edith Voßen.

„Am Ewigkeitssonntag wollen wir mit Hilfe des Kunstobjekts von Edith Vossen einen Blick zurück wagen. Danken für alles, was wir einmal mit unseren Verstorbenen erlebt haben und uns so für den Weg, der vor uns liegt, Mut machen lassen“, erklärt Pfarrer Matthias Leithe.

(Text: Pfarrer Matthias Leithe, Fotos: Volkmar Schrimpf)