Erklärung und Aufruf zur Fürbitte und stillem Gedenken angesichts der Anschläge von Hanau

In einer Zeit, in der Schweigen wie Zustimmung und Wegsehen verstanden werden kann, ist es geboten sich zu Wort zu melden. Aus diesem Grund gibt der Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf – Mettmann folgende Erklärung und einen Aufruf zur Fürbitte ab.

Nach dem Anschlag in Hanau, wie schon nach dem Anschlag in Halle können wir nicht unsere Got-tesdienste feiern, Karneval erleben, unsere Tagesordnungen abarbeiten als wäre nichts geschehen. Diese Ereignisse treffen in das Mark unserer Gesellschaft, unseren Alltag und schleichen sich ein in Geist und Seele, als gehörten sie inzwischen zum Leben dazu, wie eine lästige Gewohnheit, meistens in scheinbar sicherer Entfernung. Als Kirche(n) geht uns das unmittelbar an und erfordert den solidarischen Beistand für die Opfer von Hanau, für die Angehörigen, Familien und Freunde, deren Leben in wenigen Sekunden total verändert wurde.

Wir erklären unsere Solidarität mit unseren ausländischen Mitbürgern, Freundinnen und Freunden, und auch den uns unbekannten und fremden Menschen hier im Kreis Mettmann, in unseren Städten, neben, vor oder hinter unseren Kirchen. Sie gehören fest zu unserem Gemeinwesen. Wir haben wichtige Erklärungen und Statements gehört, die das Geschehene anprangern und verurteilen. Fußballer tragen Trauerflor und halten Schweigeminuten.

Ich bitte unsere Gemeinden besonders an diesem Sonntag um das Gedenken und die Fürbitte: Wir beten um Trost und Beistand für die, die über Nacht ihre Angehörigen verloren haben. Wir beten für eine gute psychologische und seelsorgliche Versorgung der Menschen, deren Leben in wenigen Sekunden erschüttert wurden. Wir beten für unsere muslimischen Mitbürger, die Moscheegemeinden und religiösen Vereine. Wir beten für Hanau, Halle und die Orte und Menschen, die uns in einer Zeit der Stille einfallen. Wir beten für die Überwindung von Hass und Gewalt und bitten Gott um die Kraft und konkrete Schritte auf dem Weg zu einem gerechten Frieden.

 

Frank Weber Superintendent