Augenblicke in der Zeit der Maskenpflicht

Das Gute an der Maskenpflicht ist, dass man sich das Schminken sparen kann, sagte ich zu einem Presbyter der Nachbargemeinde. Und der entgegnete: Aber die Augen müssen stimmen!

Wo wir keine Mimik mehr erkennen, müssen wir alles an den Augen ablesen. Wie wichtig das ist, sagt schon die Bibel, und nicht nur, wenn da Verliebte sagen: Du hast mir das Herz genommen mit einem einzigen Blick deiner Augen. Augenblicke sind nicht zu unterschätzen. Sie unterstreichen und bürgen für die Worte, die gesprochen werden.

Können sich Augen verstellen? Jesus Sirach behauptet: Was einer im Sinn hat, das sieht man ihm an den Augen an, es sei Gutes oder Böses. Unter der unterhaltsamen Rubrik "Gute Frauen / böse Frauen" wird er konkreter: Ein lüsternes Weib erkennt man an ihrem Blick und an ihren frechen Augen.

Und wenn Jesus in der Bergpredigt sagt: Aus den Augen leuchtet das Innere des Menschen, dann erinnert das an das Sprichwort: Die Augen sind der Spiegel der Seele. Mit Maske achte ich daher umso genauer auf die Augen – meine und die der anderen, um besser zu wissen, wie sie es meinen.

Pfarrerin Gisela Kuhn, Kirchengemeinde Erkrath