Hausgenossen Gottes und Gastfreundschaft

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremde, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen."
Ein Gast sein oder ein Fremder zu sein, beides hat etwas gemeinsam: Bei Gästen und Fremden geht man davon aus, dass sie nicht auf Dauer bleiben. Es ist schön ein geladener (Ehren-)Gast zu sein, ich bin willkommen und genieße manche Vorzüge, man begegnet mir freundlich, was für „Fremde“ leider nicht immer zutrifft. Dieses Wort macht eine Distanz deutlich, die offenbar auch kein freundlicher Gastgeber überbrücken möchte.

Sehr deutlich wurde dass in den sechziger und siebziger Jahren bei dem Begriff des Gastarbeiters oder gar Fremdarbeiters. Wenn wir Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen sind, dann wird uns ein zu Hause, ein Ort von Gott geschenkt, wo wir immer und dauerhaft willkommen sind, wo wir Heimat finden und einen sicheren Hafen. Und so wie Gott uns dauerhaft in sein Herz schließt und uns Tür und Tor öffnet, uns zu seinen Mitbewohnern macht, so sollen wir es auch halten mit Menschen die zu uns kommen.

Gott imitieren, darum geht es im Glaubensalltag. „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm" und deshalb werden wir zur Gastfreundschaft ermutigt: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt" und der Talmud sagt: „Wer Gastfreundschaft übt, bewirtet gleichsam Gott selbst" und uns wird geraten „Dein Haus soll weit offen stehen."

Solche wirkliche Gastfreundschaft durchzieht die Bibel wie einen roten Faden. Immer wieder begegnen wir ihren unterschiedlichen Facetten. Dabei kommt das Wort „Gast" im Alten Testament nicht vor. Vielmehr ist von „Fremder" die Rede. Wer aber einem Fremden sein Haus öffnete, der wusste: Schon morgen kann ich selbst derjenige sein, der an die Tür eines fremden Hauses klopft und um Einlass bittet.

Gastfreundschaft lernt man am ehesten durch die Erfahrung, selbst Gast zu sein und freundliche Aufnahme gefunden zu haben. Gastfreundschaft, Gerechtigkeit und Liebe helfen, die Motive eines Menschen zum Guten zu wenden, zum Beispiel Misstrauen in Vertrauen zu verwandeln. Vielleicht kann man sogar noch weiter gehen und sagen: Herzliche Gastfreundschaft fördern Sanftmut oder Barmherzigkeit. Wer gastfreundlich behandelt wird, zeigt sich selbst von seiner besten Seite. Wie gesagt: in der Gastfreundschaft blitzt etwas vom erbarmenden Wesen Gottes selbst auf. Gott sehnt sich danach, Fremdheit zwischen ihm und uns Menschen zu überwinden. Gott sieht uns immer wieder freundlich an.

Jesaja schreibt: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten."

Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass, wer für andere Menschen Gastgeber ist, selbst beschenkt wird!

(Pfarrer Michael Füsgen, Kirchengemeinde Homberg)