"Segen to go"

Am Berufskolleg Neandertal in Mettmann gab es in diesem Schuljahr anstelle eines Abschlussgottesdienstes einen „Segen to go“ für einige Klassen.

In Butterbrottüten an einer Wäscheleine fanden sich Utensilien für eine Segensandacht zuhause: Kerze, Taschentuch, Psalm 23, etwas Öl zusammen mit einer Anleitung und folgender Erklärung: Gesalbt wurden zuerst Könige.

Ein Ritual im Zusammenhang mit der Krönung. Eine Segenshandlung für den Übergang, begleitend zur neuen Herausforderung und um das Alte hinter sich zu lassen. Aber nicht nur Königen war dieser Segen, der „unter die Haut geht“ vorbehalten. Im Psalm 23 heißt es: „Du salbst mein Haupt mit Öl“. Segen begleitet da, wo etwas Neues beginnt, eine Zusicherung der Nähe Gottes beim Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Eine Segenshandlung soll es sein, etwas, das tatsächlich zu spüren ist, nicht nur zu hören, weil Menschen eben doch mehr als Wörter brauchen.

Neue Formen der Begleitung und des Zuspruchs gab es viele in den vergangenen Wochen. Das war gut so, aber genug war es nicht. Zum Zuspruch gehört der Anspruch. Der Slogan #LeaveNoOneBehind ist Ausdruck dessen. Wir wissen aber, viele wurden zurückgelassen in diesen Wochen. Leicht ist es, auf globale Missstände hinzuweisen, schwerer vor Ort die Stimme zu erheben, wenn Geflüchtete zum Beispiel weiterhin auch bei uns im Kreis in Sammelunterkünften untergebracht werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Mir liegt viel am Zuspruch und an der Zusicherung der Nähe Gottes. Aber ich hoffe auch, dass das Vertrauen in Gottes Nähe und Begleitung den Anspruch Gottes schmerzhaft spürbar macht und zum Handeln führt. Denn wir lassen einfach zu viele zurück.

(Pfarrerin Klaudia Berg, Berufskolleg Neandertal)