Sehnsucht

Das war ja dann doch noch ein heißer Sommer. An einigen Tagen war es so heiß, dass die Zunge förmlich am Gaumen klebte. Geöffnete Fenster brachten keine Kühlung. Der Durst schien unstillbar. Nun hat es sich erheblich abgekühlt. Zwei Tage lang hat uns ein heftiger Sturm durchgeschüttelt. Das Sehnen nach Kühlung ist vom Sehnen nach Ruhe überholt worden.

Ich beobachte, dass ich mich oft nach irgendetwas sehne ohne so genau zu wissen wonach ich mich sehne. Mir scheint, das Sehnen ist nicht nur Ausdruck unseres Körpers, uns um das zu kümmern, was ihm fehlt. Sehnen ist wohl auch Ausdruck meiner Seele, mich um etwas zu kümmern, was ihr fehlt.

Jesus spricht: "Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke." Das wirft mehr Fragen auf als es Antworten enthält. Kürzlich las ich folgenden Text: Wenn wir beten, halten wir Rast bei größerem Frieden als unserem eigenen. Wenn wir beten, atmen wir den frischen Wind einer großen Gerechtigkeit. Wenn wir beten, spüren wir einen Hauch eines liebevollen Geistes. Wenn wir beten, gönnen wir uns eine Wahrhaftigkeit, die uns die Augen öffnet.

Ich staune, wie gut mir das Sehnen tun kann, wenn es zum Gebet wird. Vielleicht ist Sehnsucht ja eine zentrale Kraft, die uns auffordert nach dem eigentlichen Leben zu suchen. Von meinem iPad gesendet

(Pfarrer Jürgen Draht, Koordinator Ökumenische Notfallseelsorge im Kreis Mettmann)