Angedacht, Sara Schäfer, Pfarrerin KG Erkrath

Weltweiter Winnie Pooh-Tag, internationaler Tag der Jogginghose, Weltknuddeltag – wenn man nach der Liste der kuriosen Feiertage der letzten Tage geht, klingt der Januar sehr heimelig und idyllisch. Also ziemlich genau nach dem Gegenteil dessen, wie sich der Januar im Allgemeinen und dieser im besonderen gerade anfühlen.

Der Wahlkampf in Deutschland, der mit seinen Verschiebungen des Sagbaren nach Rechts böse Vorahnungen aufkommen lässt, was da kommen könnte und der Amtsantritt Donald Trumps, bei dem Elon Musk den Hitlergruß gezeigt hat. Es wird verständlich, wenn Menschen sich da in Jogginghose auf das heimische Sofa flüchten, sei es zum knuddeln oder zum Schauen einer Wohlfühlserie. Oft sind das in solchen Situationen Serien, die man schon mindestens einmal geschaut hat und bei denen man also weiß, was einen erwartet. Bei denen man die Charaktere kennt und die Überraschungsquote sich in Grenzen hält. Wo man die Sicherheit hat zu wissen, wie alles ausgeht – eine Sicherheit, die viele Menschen in der Welt gerade vermissen.

„Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 6, Vers 34) Wie recht der Evangelist doch hat, dass jeder Tag seine eigene Plage hat – und dabei wusste er vor etwa 2.000 Jahren noch lange nichts vom Internet, Fake News und Doomscrolling, das einem schnell die Nerven und den Schlaf raubt. Doch auch in seiner Zeit gab es genug Dinge, die einem den Tag verderben konnten. Auch vor dem Internet gingen die Menschen nicht immer fair miteinander um, gab es Unglücke und Katastrophen unterschiedlichsten Ausmaßes. Genauso wenig sorgte jeder Tag in dem Sinn für sich, dass man sich nicht beispielsweise um Nahrung kümmern musste.

Doch an jedem Tag gab es auch die Chance, dass Dinge anders verliefen als befürchtet. Dass manches glimpflicher ausging als gedacht und manches Problem sich unkompliziert lösen ließ, wodurch so einige Sorgen und Gedanken sich im Nachhinein als überflüssig erwiesen. Natürlich konnte man sich darauf nicht verlassen, aber man konnte darauf hoffen. Und diese Hoffnung dürfen auch wir heute noch haben. Das nimmt uns nicht alle Sorgen und schon gar nicht den Weltschmerz, den die Welt uns gerade verursacht, aber es kann für kleine Erleichterungen sorgen.